“Eher wie Bukowski”: Zucchero startet Europatournee

Fakt ist: Zucchero ist ein Unikum. Der “Vater des italienischen Blues”, wie er zurecht genannt wird, ist 62. Wenn er auf der Bühne steht, wirkt Adelmo Fornaciari, so sein ursprünglicher Name, aber eher wie 26. Nun schwingt er sich wieder in den Tourbus.

Eines der Highlights dieser Tour wird mit Sicherheit das für den 8. Juli 2018 vorgesehene Konzert im Londoner Hyde Park sein. Die dortige Mega-Bühne wird er mit Kollegen teilen, deren Namen nicht gerade unbekannt sind, darunter Eric Clapton und Carlos Santana. Steve Winwood wird ebenfalls dort sein.

Der italienische Bluesmeister ist bereits dabei, sich aufzuwärmen, denn schon am 30. Juni, in 10 Tagen, kommt es zum ersten Auftritt. Eines ist sicher: Zucchero wird die Bühne regieren und seine alten und neuen Fans verzaubern, egal wo er auftaucht.

Zucchero, die italienische Legende. Foto: zucchero.it

Nicht zum ersten mal ist er in diesem Jahr Teil des Montreux Jazz Festivals, bei dem offensichtlich eine offene Definition des Jazz gilt und wo verwandte Musikgenres wie Blues willkommen sind. Hinzu kommen eine Million Bühnen in seiner italienischen Heimat, in Österreich, Lettland, Großbritannien, den Niederlanden, Kroatien, Frankreich, Bulgarien, Mazedonien und der Bundesrepublik Deutschland.

Dies ist Zuccheros kompletter Sommertourplan für 2018 (Stand: 20. Juni):

30. Juni: Montreux – CH – Montreux Jazz Festival
1. Juli: St. Pölten – A – VAZ St. Pölten
3. Juli: Venezia – IT – Piazza San Marco
4. Juli: Venezia – IT – Piazza San Marco
6. Juli: Sigulda – LV – Sigulda Medieval Castle
8. Juli: London – UK – British Summer Time Festival
10. Juli: Edinburgh – UK – The Queen’s Hall
11. Juli: Glasgow – UK – The Glasgow Royal Concert Hall
13. Juli: The Great Tew Park, Oxfordshire – UK – Cornbury Music Festival
15. Juli: Bospop Weert – NL – Rivierenweg Weert
17. Juli: Zert bb, 51410 Abbazia – HR – Festival Opatija
21. Juli: Saint Julien En Genevois – FR – Festival Guitare En Scene
23. Juli: Plovdiv – BG – Ancient Theatre
25. Juli: Ohrid – MK – Ancient Theatre
27. Juli: Lauchheim – DE – Schloss Kapfenburg Festival
28. Juli: Flumserberg – CH – Flumserberg Open Air
29. Juli: Moosburg – A – Schlosswiese

Fornaciari wollte ursprpnglich Tierarzt werden. Er bestand 39 von 51 Examen, warf aber das Studium über Bord, da er anders sein wollte, als seine Eltern. Es dauerte nicht lange, bis er dieses Ziel erreichte.

Mitte der 1970er-Jahre flog er nach San Francisco, wo er seinen zukünftigen Plattenproduzenten Corrado Rustici traf. Mit ihm diskutierte er die Gründung eines “untypischen italienischen Projektes mit afroamerikanischem Einfluss”. Als das Jahrzehnt zuende Ging, hatte Zucchero diverse Hits für andere Künstler geschrieben. Auch tourte er mit seiner damaligen Band Taxi.

Seine Solokarrriere konnte zu diesem Zeitpunkt eine Politur und neue Zündkerzen gut gebrauchen. So kam es dann. Zuccheros Lied “Donne”, das er mit Hilfe seines Freundes aus San Francisco aufnahm, wurde ein italienischen Klassiker. Dies galt auch für “Come il sole all’improvviso”.

Der Meister bei einer Fotosession in Havanna. Foto: zucchero.it

Im Jahr 1987 begannen verrückte Zeiten, als seine Platte “Blue’s” in Italien das meistverkaufte Album aller Zeiten wurde. Den Rekord brach Zucchero zwei Jahre später selbst, mit seiner nächsten Aufnahme. Auf der Bühne kooperierte er mit Größen wie Joe Cocker, Ray Charles und Dee Dee Bridgewater.

Zahlreiche Soloalben, Tourneen und Kooperationen folgten. Ein gutes Beispiel für letztere: Mit dem brasilianischen Superstar Sergio Mendes nahm Zucchero die italienische Version von “Oceano” auf, einer Komposition von Mendes’ begabtem Landsmann Djavan. Diese wurde “Un ozeano di silenzi” betitelt. Zuhörer schmolzen dahin, aufgrund der komprimierten Schönheit, die dieser Song ausstrahlte.

Zucchero hat ein Problem mit der englischen Sprache, zumindest beim Singen: “Wenn ich die englische Version eines Liedes singe, verliere ich etwas”, sagt er. “Ich würde gerne einen Weg finden, meine Songtexte besser ins Englische zu konvertieren, denn sie sind sehr persönlich. Zudem benutze ich eine Menge Slang. Wenn dies übersetzt wird, gehen die Ironie und der Sarkasmus verloren. Leute in England oder Amerika kennen mich nur aufgrund meiner Balladen. Meine schnellen Songs sind aber sehr sarkastisch. Ich bin eher wie Tom Waits oder Charles Bukowski, als wie Whitney Houston.” Zum Glück.

Zu Zuccheros Webseite geht es hier.

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