Mai 2018: Ein Besuch in Buzludzha

Es gab eine Zeit, in der Buzludzha lediglich eine Bergspitze darstellte. Diese wurde 1868 historisch relevant, als bulgarische Rebellen hier das Osmanische Reich bekämpften.

Etwa 23 Jahre später traf sich Dimitar Blagoev mit Gleichgesinnten in dieser Region, um eine sozialistische Bewegung zu gründen, die im kommunistischen Bulgarien als Vorgängerin der KP angesehen wurde.

In den 1960er-Jahren, im Kalten Krieg, wollte das Sofioter Regime ein beeindruckendes Monument auf der Buzludzha-Bergspitze errichten lassen, mit dem die Partei zelebriert werden sollte.

Der Architekt Georgi Stoilov reichte diverse Entwürfe ein. Erst Anfang der 1970er-Jahre konnte er die Machthaber überzeugen, mit einem Gebäude in Form einer fliegenden Untertasse und einem Turm, auf dem der Rote Stern prangen sollte.

Der Bau begann 1974. Zuerst wurde die Bergspitze mit einer erheblichen Menge TNT weggesprengt. Dadurch büßte der Berg 9 Meter an Höhe ein, bot nun jedoch einen sicheren Platz für das Monument.

Bis 1981, als Diktator Todor Zhivkov Buzludzha eröffnete, waren über 6000 Menschen in den Bau involviert, darunter Ingenieure, Designer, Arbeiter und “Freiwillige”. Gut 73.000 Tonnen Beton und Stahl sowie eine Menge Glas wurden auf den Berg transportiert.

Heute, fast drei Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch des Kommunismus, fällt das Monument langsam aber sicher auseinander. Das Dach der gigantischen Konstruktion weist bereits riesige Löcher auf. Regen und Schnee gelangen ungehindert ins Innere des Monumentes.

Eine ganze Armada an hervorragenden Fotografen haben Buzuludzha von allen Seiten abgelichtet. Bis 2017 war es sogar möglich, durch Löcher in der Wand in das Gebäude hinein zu klettern. Unlängst wurde jedoch die Entscheidung gefällt, Buzludzha vor einem kompletten Verfall zu bewahren und die mutwillige Zerstörung einzudämmen. Daher wurden die Löcher gestopft und ein Wächter eingestellt.

An einem windigen Morgen, Ende Mai 2018, zeigten sich drei tschechische Fotografen sehr enntäuscht, als ihnen der Eintritt verwehrt wurde. Sie versuchten sogar, den Wächter zu bestechen. Ohne Erfolg.

Itschi, ein japanischer Tourist, kam aus zwei Gründen in diese abgelegene Region, nämlich um das Rosenparadies in der Nähe von Kazanlak zu bewundern und um Buludzha “abzuschießen”.

An diesem Morgen mussten sämtliche Hüte, Mützen und Kameras aufgrund des starken Windes gewissenhaft festgehalten werden. Selbst Stative fielen um, wenn sie nicht festgehalten wurden.

Das “kommunistische UFO” ist definitiv einzigartig. Auf diesem Planeten gibt es wohl kaum vergleichbare Konstruktionen. Das Bremer “Universum”, ein Wissenschaftsmuseum, könnte als kleines Geschwisterchen von Buzludzha durchgehen.

Vom 23 Kilometer entfernten Kazanlak aus ist das Buzludzha-Monument deutlich zu sehen, zumindest bei wolkenlosem Himmel. Und je näher der Besucher oder die Besucherin kommt, desto beindruckter wird er oder sie sein.

Was einst für die Macht der Kommunisten stand, ist nun ein historisches Monument. Sein Verfall erinnert die bulgarische Nation und die Besucher an dunkle Zeiten, die noch nicht so weit weg sind, und an den Zusammenbruch des Kommunismus.

Der Weg nach Buzludzha is eher wackelig, aufgrund der Landstraßen in der Umgebung. Deren Zustand ist mit dem des Monumentes durchaus vergleichbar.

Hinweis: Es gibt eine englische Version dieses Artikels.

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